Viele verschiedene Verwendungen von Anführungszeichen
Anführungszeichen gehören zur Familie der Interpunktionszeichen. Umgangssprachlich als „Gänsefüßchen“ bezeichnet, dienen sie dazu, einzelne Wörter, Sätze oder ganze Textpassagen vom übrigen Text abzusetzen. Hier folgen ihre häufigsten Einsatzorte.
Wörtliche Rede:
Wenn in einem Roman eine Figur etwas sagt, dann steht diese direkte Rede in der Regel in Anführungszeichen. Beispiele:
- Er sagte: „Bald ist Weihnachten.“
Dasselbe gilt für Gedanken:
- „Wird es wieder ein Drama um den Baum geben?“, überlegte sie.
Es ist auch möglich, die wörtliche Rede zu unterbrechen:
- „Der Teig muss ruhen“, stand in dem Rezept, „damit er sich später gut verarbeiten lässt.“
- Oder: „Wir sollten streichen“, schlug Leo vor. „Aber erst im Sommer.“
Sätze und Wortgruppen:
Anders als bei der wörtlichen Rede werden hier Wörter, Wortgruppen oder Sätze im Sinne eines Zitats (dazu unten mehr) in einen Satz eingebettet. Beispiele:
- In dem Artikel stand: „Die Demonstration verlief friedlich.“
- Der Flughafen teilte mit, die Flüge verspäteten sich „um 10 Minuten“.
- Das Sprichwort „Aller guten Dinge sind drei“ stimmt nicht immer.
- Mit dem Ruf „Mir nach!“ stieg er auf die Barrikaden.
Einzelne Begriffe und Wortteile:
Geht es zum Beispiel um die Definition eines einzelnen Fachbegriffs, dann kann dieser zur Betonung in Anführungszeichen gesetzt werden. Beispiele:
- Unter „Anämie“ versteht man Blutmangel.
- „Lektor“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung.
Anführungszeichen können aber auch dazu dienen, einzelne Buchstaben oder ein Wort als Wort (Lexem) hervorzuheben, nicht seine Bedeutung. Beispiele:
- Das Wort „lesen“ ist ein Verb.
- In „Triathlon“ steht „tri“ für drei (Sportarten).
Eigennamen und Werktitel:
Auch Namen von Projekten, Themen, Gastronomien, Werktitel etc. können, müssen aber nicht in Anführungszeichen stehen. Beispiele:
- Das Forschungsprojekt „Laub als Dämmstoff“ dauerte drei Jahre.
- Wir treffen uns im „Goldenen Anker“.
- Die Leiterin stellte das Thema „Die Stadt im Wandel“ vor.
- Johannes sah den Film „Schindlers Liste“ zum ersten Mal.
Ironisch verwendete Wörter:
Hierbei geht es um solche Wörter, die nicht in ihrem eigentlichen Wortsinn gemeint sind. Um das Stilmittel Ironie zweifelsfrei erkennbar zu machen, sind auch hier Anführungszeichen sinnvoll. Beispiele:
- Laura hat „nur“ zwei Mal das Tor getroffen.
- Diese „schöne Aussicht“ konnte die Urlauber nicht überzeugen.
Unübliche Wörter:
Nimmt der Text umgangssprachliche Wörter, Wendungen und neue Wortbildungen auf, so ist es empfehlenswert, diese ebenfalls auszuzeichnen. Beispiele:
- Der „Problembär“ wurde erschossen.
- Florian dachte, mit „Trick 17“ käme er durch.
Leider gehören Schimpfwörter inzwischen wie selbstverständlich zum Alltag. Verwenden Politikerinnen und Politiker sie in aller Öffentlichkeit, setzen Zeitungsredaktionen sie in ihren Artikeln in Anführungszeichen, um das Zitat kenntlich zu machen:
- Bundesinnenminister Dobrindt (CSU) spricht von einem „richtigen Scheißgesetz“.
Andere Länder, andere Sitten
- In Deutschland und Österreich stehen Anführungszeichen unten und oben. Sie sehen so aus: „Wort“.
- Im englischsprachigen Raum stehen sie immer oben und sehen so aus: “Wort”.
- Französische Anführungszeichen (Guillemets français) halten Abstand zum hervorgehobenen Text und ihre Spitzen weisen nach außen: « Wort ».
- In Deutschland und Österreich können ebenfalls französische Anführungszeichen (Chevrons) eingesetzt werden, jedoch mit nach innen weisenden Spitzen und ohne Abstand: »Wort«.
- Und in der deutschsprachigen Schweiz weisen sie ohne Abstand nach außen: «Wort».
Anführungszeichen in wissenschaftlichen Texten
Die Liebe zum Detail ist bei einem wissenschaftlichen Schreibstil besonders wichtig. Eine fehlende Sorgfalt bei direkten oder indirekten Zitaten kann als Plagiat entlarvt werden – und hat schon so manche politische Karriere frühzeitig beendet. Daher ist die Beachtung bestimmter Regeln notwendig.
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Steht innerhalb eines direkten Zitats eine weitere Hervorhebung, erfolgt diese in einfachen Anführungszeichen: „Hast du den Artikel im ,Tagblatt‘ gelesen?“ Liegt kein Zitat vor, können einzeln herausgestellte Begriffe auch in einfachen Anführungszeichen stehen: ,Wort‘.
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Nach „sogenannte“ oder abgekürzt „sog.“ steht das folgende Wort bzw. stehen mehrere Wörter nicht in Anführungszeichen, da die Betonung bereits durch das vorangestellte Adjektiv erfolgt. Möchte man die Anführungszeichen behalten, so entfällt „sogenannte“.
-
Bei Definitionen stehen einzelne Fachtermini in Anführungszeichen, zum Beispiel „Systemtheorie“. Aber das ergänzte Substantiv Systemtheoriebegriff kommt ohne sie aus. Bei Übersetzungen in Klammern entfallen Anführungszeichen ebenfalls.
-
Da wissenschaftliche Autorinnen und Autoren mit zahlreichen Zitaten arbeiten, sollten Anführungszeichen als Auszeichnung für andere Textteile wie beispielsweise Projektnamen entweder entfallen oder durch eine Kursivierung ersetzt werden. Beispielsweise kommen Projektnamen und Themen auch gut ohne sie aus. Eingerückte längere Zitate stehen ebenfalls nicht in Anführungszeichen. Werktitel von Romanen, Kunstwerken, Filmen oder Ausstellungen sind sogar besser zu erkennen, wenn sie nur kursiv ausgezeichnet sind. Idealerweise ist die Handhabung in einem Stylesheet geregelt.
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Treffen bei Zitaten verschiedene Varianten von Anführungszeichen aus zwei Sprachen aufeinander, so dürfen diejenigen angepasst werden, die nicht zur Sprache des Haupttexts gehören (so in Verlagen). Oder auch nicht, denn beides ist erlaubt.
-
Enthält ein Satz ein wörtliches Zitat, richtet sich der Punkt an dessen Ende danach, wie es eingebunden ist. Zwei Beispiele:
- Richter sagte: „Meine Bilder sind klüger als ich.“ Hier folgt nach dem Doppelpunkt das Zitat als vollständiger Satz.
- Er sah, wie „die Menschen die Umwelt beeinflussten“.1 Hier ist das Teilzitat in die Satzkonstruktion eingebunden, weshalb der Punkt erst nach dem schließenden Anführungszeichen folgt.
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