1. April 2026
01.April 2026
Als der US-amerikanische Informatikprofessor Scott E. Fahlman 1982 aus drei Satzzeichen seiner Tastatur ein Gesicht zusammensetzte, war das digitale Emoticon geboren. Es bestand aus einem Doppelpunkt (für die Augen), einem Bindestrich (für die Nase) und einer runden Klammer (für den Mund). Fahlman wollte damit in Chatnachrichten Humorvolles von ernst Gemeintem besser unterscheiden, um Missverständnisse zu vermeiden. Das lächelnde Gesicht sieht so aus: :-) Und das traurige so: :-(
Kaomojis heißen übrigens japanische Emoticons, die eher in der östlichen Welt verbreitet sind. Im Unterschied zu den westlichen verkörpern sie eine größere Vielfalt an Emotionen und sie sind nicht um 90 Grad gedreht. Manche der für sie erforderlichen Zeichen fehlen zumindest auf deutschen Tastaturen. Bei diesem Kaomoji aber nicht, das für „weinendes Gesicht“ steht: (T_T)
Ein emotionales Gesicht als einzelne Darstellung gab es allerdings schon vor dem Computerzeitalter. Der Grafikdesigner Harvey Ball, ebenfalls Amerikaner, erhielt 1963 von einer Versicherung den Auftrag, einen Button zum Anstecken zu entwerfen. Dieser sollte bei den Mitarbeitenden für gute Laune sorgen und so die Stimmung im Büro verbessern. Balls Smiley besaß bereits ein kreisrundes gelbes Gesicht, das lächelte. Da er seinen Entwurf nie rechtlich schützen ließ, war der Verbreitung guter Laune auch bei anderen keine Grenzen gesetzt: Smileys sind auf Geschirr, Kleidung, Fußmatten, Schmuck und vielem anderem zu finden. Nach Acid House in den 1980ern wandelte auch die Band Nirvana 1991 ein Smiley für ihr Logo ab.
Im Zuge der digitalen Kommunikation und der Verbreitung des Mobilfunks entwickelte der Designer Shigetaka Kurita Ende der 1990er-Jahre ein Set mit 176 farbigen Emojis. Dieses Kunstwort setzt sich aus dem japanischen „E“ (= Bild) und „moji“ (= Schriftzeichen) zusammen. Dabei handelte es sich ursprünglich um ein Piktogramm, das bestimmte Gefühlslagen in einem Gesicht zum Ausdruck bringt. Inzwischen bezeichnet es aber auch Bildzeichen, die für Tiere, Natur, Essen, Trinken, Aktivitäten, Reisen, Orte, Flaggen, Werkzeug und vieles andere stehen. Seit 2010 sichert eine Standardisierung, dass alle Computer und Smartphones weltweit sie „verstehen“. Eine Art Weltsprache sind sie damit allerdings nicht, sondern eher eine auflockernde Ergänzung zum Text. Denn für das Verständnis jedes Emojis ist der Zusammenhang entscheidend, den Menschen von Land zu Land anders interpretieren. So stehen zwei vertikal aneinandergelegte Hände sowohl für ein Gebet, für Dankbarkeit als auch für die Geste High five. Nur bei einem Herz dürfte alles klar sein.
Inzwischen beschäftigt sich sogar die Forschung mit der bunten Vielfalt der Bildzeichen. Welche sind die beliebtesten? Wer verwendet sie? In den letzten Jahren sind solche hinzugekommen, die zudem gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen: So haben Emojis inzwischen etwa unterschiedliche Hautfarben, zeigen gleichgeschlechtliche Paare oder Kopftuchträgerinnen.
Seit 1995 bestimmt das Unicode Consortium, in dem Computer- und Softwarehersteller in einer Jury vertreten sind, welche neuen Entwürfe in die Emoji-Bibliothek aufgenommen werden – oder auch nicht. Eine Cannabis-Darstellung wurde bislang beispielsweise abgelehnt, daher müssen stellvertretend Bilder für Kräuter, Gemüse, Bäume oder Topfpflanzen herhalten. Das sollte Oma wissen, bevor sie ihren Enkel per Kurznachricht bittet, Brokkoli einzukaufen. 😉 Bewilligt und ab 2026 überall verfügbar sind dafür Bigfoot, Orca und Apfelkitsch (restliches Kerngehäuse). Wir dürfen gespannt sein, welche Nachrichten sie begleiten werden.
Derzeit stehen mehr als 4.000 digitale Emojis zur Verfügung, die aus der täglichen privaten Kommunikation und den sozialen Medien nicht mehr wegzudenken sind. Das Schöne: Es werden allgemein mehr positive als negative Smileys verwendet. Doch jedes Land hat seine eigenen Vorlieben für bestimmte Emojis: Französinnen und Franzosen versenden vier Mal so viele Herzchen wie üblich (klar!). In den USA spielen Baseball und Essen eine besondere Rolle. In Deutschland sieht das Ranking der meistgenutzten Emojis im Jahr 2025 so aus:
😂 Gesicht mit Freudentränen
😊 lächelndes Gesicht mit roten Wangen
❤️ rotes Herz
😉 zwinkerndes Gesicht
😍 Gesicht mit Herzaugen
😭 weinendes Gesicht
👍 Daumen hoch
😘 Kuss zuwerfendes Gesicht
😎 cooles Gesicht mit Sonnenbrille
🤔 nachdenkliches Gesicht
Die Beliebtheit von Emojis hat wohl auch mit ersten Überlegungen zu tun, sie als Begleiter in geschäftlichen E-Mails und Briefen zu verwenden. Ich persönlich rate eher davon ab, denn hier muss der Text klar und sachlich formuliert sein – ein Ausdruck von Gefühlen ist fehl am Platz. Außerdem kann die Korrespondenz zwischen zwei Vertragspartnern später als Beleg in einem möglichen Rechtsstreit dienen, weshalb Emojis zu vermeiden sind. Sie untergraben in diesem Zusammenhang jegliche Seriosität.
Allerdings wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass in E-Mails mit einer kritischen Nachricht ein lachendes oder zwinkerndes Emoticon die damit verbundenen negativen Gefühle bei Empfängern deutlich abschwächt, zum Beispiel bei Arbeitnehmern. Auch in meinem Lektorat gibt es Ausnahmen von der Regel: nach einem gemeinsamen Endspurt mit Studierenden vor ihrem Abgabetermin oder wenn ein Autor mir mitteilt, er habe für seine Dissertation gleich zwei Preise erhalten. Dann sind Emojis unverfänglich und betonen den persönlichen Charakter der Zusammenarbeit: 🍀 🙏🏽 🌈 🥂.